Mittwoch, 23. Januar 2013

Das N-Wort in Kinderbüchern–meine Meinung zu der ganzen Sache.

Es ist ja in den letzten Tagen ein großes Thema gewesen. Die Zeit berichtete mehrfach darüber, ebenso die TAZ und sicher viele andere Zeitungen, gestern Abend sah ich dann noch kurz einen Teil eines Berichtes im Fernsehen darüber (sorry, ich habe nicht darauf geachtet welcher Sender das war) – es geht um die Debatte, ob rassistische Wörter wie, ich schreib es jetzt mal aus “Neger” oder “Negerlein” (in der Kleinen Hexe) aus Kinderbüchern gestrichen werden sollen. Angeblich halten das gerade viele Menschen mit hohem Bildungsniveau für Zensur…

Ich denke, dass dies wieder eine der Endlosdebatten sein wird, bei der wohl niemand von seinem Standpunkt abrücken und alle sich immer weiter gegenseitig anmeckern werden, bis es langweilig wird. Daher möchte ich hier auch nicht unbedingt eine riesen Diskussion vom Zaun brechen – es sei denn ihr wollt es^^ – ich will eigentlich nur meine Meinung wieder geben.

Kurz und knapp: Ich finde solche rassistischen Worte haben 2013 in (Kinder)Büchern nichts verloren. Meiner Meinung nach sollten sie unbedingt ersetzt werden – das dies gut klappen kann haben die Pippi Langstrumpf Bücher ja schon gezeigt – 2009 wurde aus Pippis Vater dem “Negerkönig” der “Südseekönig”. Ist das jetzt Zensur? Verändert das die Geschichte inhaltlich irgendwie? Stört es den Lesefluss? Ist das respektlos gegenüber dem ursprünglichen Werk? Meiner Meinung nach nicht – ich finde, dass neue Wort klingt, ungeachtet davon, dass es nicht rassistisch besetzt ist, viel besser. Wer nicht wusste, dass dort vorher etwas anderes stand, wird beim Lesen sicher nicht denken “Hmm, also irgendwie passt dieses Wort hier so gar nicht rein” – und meiner Meinung nach wird damit auch die Wertschätzung, die man Lindgrens Werk zeigt auch nicht geringer – ich denke nämlich nicht, dass sie rassistisch war, sondern einfach ein Mensch ihrer Zeit, der dieses Wort als “normal” kennen gelernt hat. Wenn sie so war, wie ich es aus Texten über sie herausgelesen habe, dann war sie keineswegs rassistisch, sondern eine sehr offene und in vielen Dingen sogar fortschrittliche Frau – ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich verbissen an einem einigen Wort festklammern würde, anstatt es zu ändern – wissend, dass es viele Menschen verletzt.

Das große Problem, welches ich mit dieser Debatte habe, ist, dass man zwar brav viele Literaturwissenschaftler und sonstige Leute zu Wort kommen lässt – aber ich habe so gut wie nie gesehen oder gelesen, dass man speziell POC (People of colour) – also in dem Fall Menschen afroamerikanischen Ursprungs dazu befragt, wie sie das Wort denn finden. Warum nicht? Wenn jemand das Recht hat, über ein diskriminierendes Wort zu urteilen, dann doch wohl ein Mensch, den es diskriminiert? Ich kann hier meine Meinung lang und breit ausführen, wirklich beurteilen, wie schlimm das Wort für einen Schwarze ist, kann ich nicht – denn ich bin keine und so habe ich auch nicht das Recht dazu. Und ich kenne auch kein Wort, welches für mich als weiße Frau ähnlich negativ besetzt ist – zumindest fällt mir gerade keins ein. Ich finde es völlig verständlich, dass dunkelhäutige Menschen sich von dem Wort beleidigt und verletzt fühlen – schließlich war es, meiner Meinung nach, seinen Ursprung in einer Zeit habend in der es Sklaven gab, niemals wirklich wertfrei sondern von Anfang an abwertend. Von manchen Menschen war es vielleicht nicht so gemeint, wurde auch nicht so empfunden, weil sich das Wort irgendwann im alltäglichen Sprachgebrauch gefestigt hatte – daher möchte ich auch niemanden als Rassistin bezeichnen, die das Wort früher mal ihn ihre Bücher geschrieben hat – aber heute ist es doch wirklich absolut nicht mehr zeitgemäß.

Man kann über Zensur in Büchern diskutieren wie man will – ich finde das ausschlaggebende Argument ist, dass sich Menschen davon verletzt fühlen (zurecht!) und alleine das sollte doch ausreichen, das Wort zu streichen.

Ich habe als Argument gelesen, dass man es besser finden würde, bliebe das Wort in Kinderbüchern erhalten – so könnte man seinen Kindern doch – immer direkt wenn es auftaucht – erklären, wie das Wort früher und heute benutzt wurde – dass man es nämlich eigentlich nicht mehr verwendet und dass es rassistisch ist. Ja, klar kann man das machen. Die Frage ist nur, wie viele Eltern sind wirklich so reflektiert, das zu tun, wie vielen hingegen ist es einfach egal oder sie finden das Wort sogar gut und verwenden es bewusst weiter? Die Frage ist auch, was bleibt bei kleinen Kindern hängen? Das Wort an sich, welches dann einfach weiter in ihren Wortschatz einwächst oder ausschweifende Erklärungen der Eltern über Rassismus und Diskriminierung – die Kinder in jungen Jahren womöglich noch gar nicht komplett begreifen können?

Auf Facebook tauchte gestern der Brief der 9-jährigen Ishema auf, welche der Zeit erklärt, warum man manche Wörter besser streichen sollte. Natürlich wurde hier auch wieder direkt angezweifelt, ob der Brief nicht ein Fake ist – selbst wenn es so sein sollte, könnte er ohne weiteres von einem kleinen, wie sie selber sagt “milchkaffee-braunen”  (süß<3) Mädchen geschrieben worden sein – das wirkt für mich kein bisschen unrealistisch.

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Ich finde den Brief klasse – endlich kommt mal eine Person zu Wort, die wirklich das Recht hat, über solche Worte zu urteilen, weil sie selber von ihm diskriminiert wird.

Mit anderen negativ besetzten Dingen ist es doch auch so, dass sie, zurecht, aus unserem Alltag verschwinden. Niemand, in Deutschland, der nicht extrem zweifelhaftes Gedankengut besitzt, würde weiterhin Hakenkreuze  verwenden – dabei ist das Symbol, vieeeeel, viel älter als der Nationalsozialismus und ursprünglich so gar kein negatives Symbol. In Indien ist die Swastika weiterhin ein Glückssymbol und das ist sie schon ewig lange – aber in Deutschland wird dieses Symbol auf ewig negativ besetzt sein (zurecht!) und da höre ich auch niemanden, der sich darüber aufregt, dass man das Symbol ja nicht zensieren dürfe, weil es, auch wenn es heute für Antisemitismus und den Holocaust steht, früher ja mal eine andere Bedeutung hatte. Dieses Beispiel ist natürlich kulturspezifisch, in anderen Ländern hat das Symbol noch eine positive Bedeutung, aber schließlich sind es ja auch die Deutschen, die in dem Fall die Scheiße gebaut und das Symbol missbraucht haben. Wieso sollte es dann auch mit einem Wort, welches vielleicht mal von Leuten neutral verwendet wurde (meiner Meinung nach aber immer einen abwertenden Beigeschmack hatte) heute aber nur noch rassistisch ist, nicht genau so gemacht werden?

Natürlich kann man dann anfangen zu fragen, wo die Grenze zu ziehen ist. Darf man auch nicht mehr Zigeunerschnitzel sagen? Wieder so eine Endlosdebatte. Im Trash Chic, meiner Lieblingskneipe, in der man auch vegan essen gehen kann, stand kürzlich mal ein Sinti & Roma Schnitzel an der Tageskarte. Ich fand´s gut. Mag vielen lächerlich vorkommen, aber auch hier gilt für mich wieder: was sagen denn die Betroffenen dazu? Klar klingt es für unsere Ohren erst mal ungewohnt, solche neuen Begriffe zu hören, aber Leben bedeutet doch auch Weiterentwicklung und aus Fehlern lernen, oder? Und wenn man eine ethnische Gruppe mit einem Wort diskriminiert, dann sollte man das eben ändern. Das finde ich wichtiger, als das Beharren auf den guten alten Wörtern. Sprache verändert sich eh ständig – das Deutsch von vor einigen hundert Jahren hätten wir heute kaum verstanden und vielleicht wird es unseren Nachfahren mit unseren Überbleibseln ähnlich gehen. Die meisten Wörter werden auf lange Zeit gesehen sowieso irgendwann, durch Zufall, durch Bedeutungslosigkeiten, durch andere ersetzt. Aber wenn es dann mal einen guten Grund dafür gäbe, nämlich Menschen nicht zu verletzen, dann ist das plötzlich ein riesen Problem? – Mein Senf zu dem Thema. Und der wird auch so bleiben, denn ich stehe da zu meiner Meinung. Aber ich freue mich natürlich trotzdem sehr über Kommentare und eure Meinung zu der Sache.

Kommentare:

  1. Ich bin sicher unpopulär mit meiner Meinung, dass man das sehr wohl reflektiert den Kindern erklären kann. Ich kann mich nicht erinnern, durch die Lektüre in Originalfassung irgendwie radikalisiert worden zu sein. ;)
    Meiner Ansicht nach ist das ein Eingriff in das Werk des Autoren - und das geht für mich nicht. Im gleichen Atemzug wurde in der Diskussion nämlich Tolkien genannt...da soll der "Herr" Frodo durch "Chef" ersetzt werden. Hallo?

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    1. Ich glaube auch, dass man das reflektiert erklären kann, wenn das Kind alt genug ist, das zu verstehen. Aber ich denke das würden einfach nicht genug Leute tun.

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    2. Es geht ja auch gar nicht ums Radikilaisieren.
      So wie ich das einschätze, ist unsere Gesellschaft einfach auch rassistisch. Wie stark und wie verbreitet kann ich auch nicht mit Sicherheit sagen, aber diese 'Das-kann-man-doch-erklären'-Argumentation klingt für mich genauso wie die dafür, dass in unserem Grundgesetz(!) immer noch von 'Rasse' die Rede ist. Wenn man mit solchen Begriffen aufwächst, werden sie einfach normal, das ist doch klar.

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  2. Den "Negerkönig" fand ich schon als Kind irgendwie seltsam. Da finde ich Südseekönig viel schöner.

    Ich denke auch, dass das N-Wort durch ein anderes Wort ersetzt werden sollte.

    Zensur ist das meiner Meinung nach auch nicht. Es werden den Lesern ja keine Informationen vorenthalten, sondern lediglich andere Begriffe verwendet, die nicht verletzend oder diskriminierend sind.

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  3. Wir leben in einer Zeit, in der wir uns als sehr fortschrittlich und reflektiert erleben. Gerade in einem Land, das diese Fortschrittlichkeit gerne immer wieder betont, sollte über das Streichen rassistischer und diskriminierender Worte in Kinder(!!!)büchern und sonstigen Werken nicht diskutiert werden.
    Das Problem ist neben der Wortverwendung doch auch, dass künfitge Generationen stark desensibilisiert werden. Je häufiger man gewisse Worte (auch Beleidigungen wie "fick dich", "Schlampe", "Spast" etc.) passiv erlebt, desto eher werden sie in den aktiven Wortschatz integriert.

    Daher bin ich der Meinung, dass man in manchen Büchern, die gerade im Kindesalter gelesen werden, sehr wohl diskriminierende Worte streichen sollte.

    Inwieweit dies auch für Erwachsenenliteratur gilt, in denen das Wort "Neger" nicht im Nebensatz fällt, sondern bewusst eingesetzt wird, um auf Missstände hinzuweisen (ich denke hier spontan an "Wer die Nachtigall stört" oder "Gottes zweite Garnitur"), kann separat diskutiert werden. Ich persönlich störe mich auch in diesen Büchern an dem Wort, schlicht, weil es mir wehtut, so etwas zu lesen (gleicher Effekt bei Überlebendenbiographien des Holocausts, mir wird wirklich körperlich schlecht, wenn ich in einem Buch "Judensau" o.ä. lese.. :( ).

    Du hast einen sehr guten Beitrag zu diesem Thema geschrieben, danke dafür.

    Viele Grüße,

    Frau Schulz

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  4. Als ich Kind war, war das Wort neutral, ganz im Gegensatz zur amerikanischen Variante. Damals war das ok und zeitgemäß. Ich hatte auch dunkle Kindergartenkumpanen, ich hatte sogar eine sehr dunkle Barbie und keiner von uns fand dunkle Haut irgendwie blöde oder so, das war für uns ganz normal. Dieses Wort machte uns Kinder nicht rassistisch.

    Heute dürfte eine zunehmende Vermischung mit dem englischen Begriff stattfinden. Und ob der inzwischen abwertend ist oder nicht, ich finde, das sollten die entscheiden, die es betrifft. Ob man ein weibliches menschliches Wesen "Weib" oder "Frau" nennt, das sollten ja auch die weiblichen entscheiden, wie sie sich besser fühlen. Genau so sehe ich das da auch. Und wenn sies aus den Büchern raus haben wollen, weils nicht mehr zeitgemäß ist, dann kann man das doch im Neudruck berücksichtigen.
    Ich finde das auch nicht zensur. Ich finde es nur anpassen an die jetzige Zeit.

    Grüße,
    Mercury

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    1. Oh mann...
      Das wort war auch im Deautschen nie neutral. Erst googeln, dann posten.

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  5. Hm, aber dass so Sachen wie "Fick dich!" und "Schlampe" ganz sicher nicht verschwinden werden auf den deutschen Schulhöfen, nur weil man die "Kleine Hexe" abändert, ist wohl jedem klar.
    Ich selbst bin mit den Geschichten der "Kleinen Hexe" groß geworden und habe stets "Negerküsse" gegessen und bin deshalb kein Rassist geworden, sondern bin im Gegenteil, sehr weltoffen und tolerant.
    Man sollte lieber mal darüber nachdenken, das Internet für Kinder und Jugendliche noch sicherer zu gestalten, denn negative Ausdrücke und Ansichten schnappen junge Menschen bestimmt eher dort als aus Kinderbüchern auf.

    Liebe Grüße :)

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  6. Ich denke auch, dass es einen Eingriff in das Urheberrecht des Autors darstellen würde. Es einfach zu streichen ist daher doch höchst fraglich. Viel eher sollten die Eltern, die ihren Kindern jene Bücher verschaffen oder vorlesen, darauf hinweisen, dass jene Worte falsch und negativ behaftet sind. Ich bin auch mit diesen Worten groß geworden, aber geprägt haben sie mich keineswegs. Ich denke Rassenhass resultiert viel eher aus dem Umfeld und dem was man vorgelebt bekommt. Ich finde es ist auch eine Frage der Zeit, aus welcher die einzelnen Bücher stammen. Würde heute jemand ein Buch mit derartigen Worten schreiben, würde man ihn wohl an den Pranger stellen. Zu recht. Aber damals waren es halt keine "schlimmen" Worte. Der "Negerkuss" sollte ja auch nichts Schlimmes darstellen. Es war nunmal Teil des Wortschatzes. Ich habe sogar schon von Vorfällen gehört, in denen Schüler durch ihre Prüfungen gefallen sind, weil sie das Wort "Endlösung" in ihren Arbeiten verwendeten.

    Das Hakenkreuze nicht gezeigt werden dürfen, befürworte ich, wenn sie in einem negativen oder unüberlegten Zusammenhang gezeigt werden. Aber sollte jenes Symbol auf spirituellen Hintergründen beruhen, ist es wohl akzeptabel.

    Die ganze Thematik ist wirklich sehr umstritten und ich glaube es sind gut beide Seiten zu vertreten.
    Aber schön das du diese kritische Frage aufwirfst (:
    Mal ein anderer Blogeintrag der zum Nachdenken anregt (:

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  7. Zensur - das ist ja ein spannendes Thema. Eigentlich ist es ganz unkompliziert. Worte in Büchern zu ändern ist keinesfalls Zensur. Das passiert ständig, in jeder neuen Auflage eines Buches ist etwas anderes als in der vorheigen. Das gehört zum Lektorat und ist furznormal. Allein deswegen ist es schon bezeichnend, dass eingige sich gerade jetzt so sehr an diesen und jenen Worten festklammern. (Und die nennen "uns" dann Sprachpolizei? Haha!)
    Zum Anderen wäre es nur Zensur, wenn Büchter/Texte/Themen(!) vom Staat verboten (!) werden würden. Sich darauf zu einigen keine diskriminierende Sprache mehr zu benutzen ist sozusagen Demokratie in reinform und eigentlich ziemlich toll!
    (mehr dazu hier auf Englisch, aber easy zu verstehen: http://stoptalk.wordpress.com/2013/01/18/on-censorship/ )

    Dazu, dass man da so mit Kindern thematisieren kann denke ich mir - ja wozu braucht ihr denn dieses oder jenes Kinderbuich dazu? Macht das doch einfach so? Erklärt euren Kindern doch einfach, welche Begriffe scheiße sind und wieso. haben meine Eltern auch gemacht, spätestens, wenn wir si ezum ersten Mal benutzt haben. Hat super geklappt. Oder muss jedes Scheißwort in einem Kinderbuch auftauschen, damit man sie problematisieren kann?

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  8. Ich finde es außerdem sehr traurig, wie häufig hier gesagt wird, dass sie das nicht beeinflusst hat.

    Erstens: Doch, hat es. Uns alle. Mich auch. Um das zu sehen muss man sich aber (als weiße Person) erst mal mit Rassismus und rassistischen Strukturen auseinandersetzen und wissen, was das ist, wo das herkommt, wie es erhalten bleibt. Und respektieren, dass man da mal seine Deutungshoheit abgibt.

    Zweitens: Es geht ja nicht nur darum, was das Buch mit weißen Menschen macht. Wie in dem Brief sehr schön rauskommt, das Buch ist für Schwarze Kinder praktisch unlesbar. Wollen wir nicht Kinderbücher haben, die ALLE Kinder lesen können?

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    1. Hm, offensichtlich gehöre ich zu den Personen die sich nicht gründlich mit Rassismus und rassistischen Strukturen auseinander gesetzt hat. Deswegen meine Frage inwieweit uns das alle doch irgendwie beeinflusst hat?
      Ist es schon Rassismus wenn ich einfach wertungslos erkenne das es dunkelhäutige und hellhäutige Menschen gibt und ist es auch schon Rassismus wenn ich davon gehört habe das dunkelhäutige Menschen früher Neger genannt wurden?
      Ist das evtl. rassistisch weil es uns inpliziert das es verschiedene Rassen gäbe?

      Ich gehöre ebenfalls zu den Menschen die sagen das mich die Ausdrücke in meiner Kindheit nicht beeinflusst hätten. Oder vielleicht sollte ich sagen: Sie haben mich nicht negativ beeinflusst. Für mich war das ein neutraler Begriff und hat mir nie impliziert das Menschen anderer Hautfarben irgendwie schlechter, midnerwertiger etc. wären als andere Menschen. Meine Mutter hat bis zu ihrem Tod von Negern gesprochen wenn sie irgendwo einen dunkelhäutigen Menschen gesehen hat und sie war in keiner Art und Weise irgendwie rassistisch im Sinne von Fremdenfeindlichkeit, Ablehnung anderer Menschen usw. Für sie war es auf Grund ihrer Generation einfach normal und manchmal hat sie sich schon verbessert und gemeint "ach das darf man ja heute nicht mehr sagen".
      Ich mag zu der ganzen Rassismusdebatte sowieso eine recht eigensinnige Meinung haben. Ich finde es nämlich nicht mal schlimm wenn man von verschiedenen Rassen spricht (auch wenn ich natürlich weiß das die Rassenlehre vollkommener Quatsch ist und man heute bzgl. Menschen eigentlich gar nicht mehr von Rassen spricht!!!). Für mich ist klar es gibt auf der Welt eine riesige Vielzahl verschiedener Menschen und Völker. Sie sehen unterschiedlich aus, ihre Sprachen sind verschieden, ihre Kultur, ihre Gebräuche, ihre Religionen usw. unterscheiden sich mehr oder weniger voneinander. Das zu erkennen hat für mich persönlich aber nichts damit zu tun manche Menschen hervorzuheben und als besser oder schlechter, dümmer oder klüger, hübscher oder hässlicher anzusehen als andere. Vielmehr finde ich unsere Unterschiede extrem bereichernd und es ist ein Geschenk das wir nicht alle gleich sind. Die Gefahr die vom Rassismus ausgeht besteht ja in dem Glauben irgendeine "Rasse" sei einer anderen überlegen. Aber das findet man ja im kleinen wie im Großen. Diese Unterteilung manchen wie Menschen ja schon weitab von unsere Herkunft indem wir Unterteilungen manchen zwischen Menschen und ihren Verdiensten/Gehältern, ihrer politischen Ausrichtung, ihrem Geschmack, ihrer Sexualität, ihrer Ernährung, ihres Geschlechts usw.

      Alles in allem glaube ich nicht das Kinder in Deutschland durch Begriffe in Kinderbüchern zu ausländerfeindlichen Rassisten werden, genau so wenig wie man meiner Meinung nach durch Bücher wie den Struwwelpeter traumatisiert wird.

      LG
      Karmi

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    2. Ich kann da jetzt nicht im Einzelnen drauf eingehen. Nur so viel. ALLES was wir aufnehmen, beeinflusst uns, gestaltet unsere Welt, hierachisiert Beziehungen usw. Das ist uns nicht bewusst, es wird zur Normalität und das ist der wichtigste, entscheidene Punkt. Als weiße Person ist Rassismus schlicht nicht sichtbar, es sei denn, ich beschäftige mich damit. Weil man die ganze Zeit auf der davon profitierenden Seite sitzt.

      Für den Anfang würde ich dieses Buch hier empfehlen: http://www.amazon.de/Deutschland-Schwarz-Weiss-allt%C3%A4gliche-Rassismus/dp/3442155754/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1358943908&sr=8-1

      Auch wenn man sich schwer tut und es unbequem ist, es lohnt sich, sich darauf einzulassen. Es ist immer sehr einfach zu sagen, man wäre nicht *istisch, wir _wollen_ das ja auch nicht sein, weil wir wissen, dass es etwas schlechtes ist. Es wirklich nicht zu sein, bedeutet, sich damit auseinanderzusetzen, wie (unsere) Gesellschaft strukturiert ist.

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    3. Danke für den Buchtipp, Dani. :)

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  9. Bücher wurden doch schon öfter up to date gebracht, oder ließt hier irgendjemand die Bibel oder mittelalterliche Werke im Original?
    Ich glaube wenn man dem Herrn Preußler heute sagen würde, dass Neger nicht mehr das 'unschuldige' Wort ist, wie es das damals vielleicht war und er es damals vielleicht meinte, würde er es selbst ändern wollen. Ziel der Änderung soll ja auch nicht das Verändern eines literarischen Meisterwerkes sein, sondern der Erhalt eines schönen Buches für das Zielpublikum: die Kinder.

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  10. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  11. Ein sehr schöner Beitrag dazu.
    Wenn DaniSojasahne nicht schon auf "Deutschland schwarz weiß" hingewiesen hätte, hätte ich es jetzt getan ;) Ich kann Dir das sehr empfehlen, ein wirklich gutes Buch. Ich bilde mir auch ein, das folgende Beispiel aus diesem Buch zu haben, bin mir aber nicht mehr 100ig sicher. Auch wenn viele sagen, dass das N-Wort sie nicht beeinflusst hat, so sind Kinder diesen Worten doch ausgesetzt und lernen sie, indem sie sie hören und lesen. In dem Beispiel ist eine schwarze Frau in einem Geschäft. Sie ist erst seit kurzem in Deutschland, spricht noch kein Deutsch sondern Englisch, wenn ich mich recht erinnere. Eine Mutter kommt mit ihrer Tochter in den Laden, die Tochter ist recht jung, vielleicht 5 Jahre alt und deutet auf die Frau mit den Worten "Guck mal Mama, die schöne Negerin, die hat aber schöne Haare... usw." Das Kind wurde zwar direkt von ihrer Mutter belehrt, dass man das nicht mehr sagt, aber für die schwarze Frau war das einzige, was sie verstanden hat, das Wort "Neger" bzw. "Nigger" und sie hat sich tief verletzt gefühlt, obwohl sie wusste, dass das Kind keine Ahnung hatte, was es mit dem Wort auf sich hat.
    Von keinerlei Einfluss kann man, denke ich, also nicht sprechen und ich stimme Dir zu, dass man wohl eher people of colour fragen sollte, ob und wie sie ein Wort als rassistisch empfinden.

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  12. Ich finde den Ausdruck "people of colour" ziemlich bescheuert. Wenn man schon Unterschiede machen muss, soll man doch bitte "Mensch aus Afrika", "Mensch aus Asien" usw. sagen. Das kommt weniger zwanghaft politisch korrekt.

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    1. Wieso soll man das sagen? Wieso soll ich meine deutschen FreundInnen mit dunklere Haut plötzlich als "mensch aus Afrika" bezeichnen, wenn sie nicht aus Afrika ist, sondern in Deutschland geboren ist, Deutsch als Muttersprache spricht und auch wenig Bezug zu den Ländern ihrer Vorfahren hat?

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    2. Kann Lea hier nur zustimmen!
      Ich stelle es mir auch unglaublich nervig vor, wenn man als schwarze Deutsche immer gefragt wird "Wo kommst du denn her?" und dann nach der Antwort "Wuppertal" die Menschen immer noch nicht zufrieden sind und so ein "Neeiin, wo kommst du WIRKLICH her?" hinterherschieben. Hautfarbe hat eben schon lange nichts mehr mit dem Herkunftsland zu tun!
      Außerdem ist so etwas wie "Mensch aus Afrika" ja mal eine so derbe nichtssagende Bezeichnung... ich stell mich ab jetzt auch als "Mensch aus Europa" vor ;)

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    3. Ich finde die Bezeichnung "People of colour" sehr doof.

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    4. Schließe mich der Meinung über mir an. "People of colour" klingt dämlich. Durch das "of colour" betont man ja gerade das Anderssein. Sagt man dann zu weißhäutigen Menschen analog "People of no colour"? ;) Müsste man eigentlich, fairerweise.

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  13. Ich finde den Brief wirklich sehr schön. Und ich bin auch der Meinung, dass es okay ist, das Wort aus Kinderbüchern zu streichen. Bei Erwachsenenbüchern ist das sicherlich etwas Anderes, vor allem, wenn sie die Situation zu einem anderen Zeitpunkt wiedergeben. Aber in Kinderbüchern hat "Neger" meiner Meinung nach nichts verloren. Ja natürlich KANN man es erklären, aber 1. tut das nicht jeder und 2. ist es bestimmt nicht einfach für ein kleines Kind zu verstehen, dass es etwas nicht sagen darf, was in einem Kinderbuch steht.
    Außerdem wurde an Kinderbüchern schon oft etwas verändert. Warum soll das plötzlich Zensur sein?
    Ich finde den Aspekt, dass Kinderbücher für alle Kinder sein sollten, der hier in den Kommentaren genannt wurde, aber auch total wichtig und das spiegelt sich ja auch im Brief wider.

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  14. Ich find' diese Diskussion sehr spannend. Allerdings frage ich mich, wie wichtig/unwichtig ein Wort ist - in Geschichten wie Pippi ist wohl kein Abbruch mit dem Südseekönig getan.
    Aber...
    Was machen wir mit "Kinderreimen" wie "10 kleine Negerlein"? Im Stuwwelpeter wird in der Geschichte von den Schwarzen Buben vom Mohr gesprochen. Ist das auch diskriminierend?
    Was macht ein Wort diskriminierend? Ist es der Kontext oder ist es die Definition?

    Ansonsten find ich den Brief von der Kleinen toll. Man sollte unseren Multi-Kulti Nachwuchs Respekt vor allen und jeden beibringen. Nicht nur vor Menschen die anderes pigmentiert sind, sondern auch über anderen Lebewesen.
    LG
    Jess

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  15. Dann soll man sie eben gar nicht benennen. Einfach akzeptieren, dass es Menschen mit verschiedenen Hautfarben gibt. Warum muss man dafür eine Bezeichnung erfinden? Aber bis unsere Welt soweit ist, wenn sie es denn je sein wird, läuft noch viel Wasser den Berg herunter...

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    1. Bezeichnung erfinden? Wieso denn erfinden? Was ist denn plötzlich an Schwarzer/Schwarze verkehrt? Affig wirds erst, WENNS so ein Problem gibt, Bezeichnungen für Eigenschaften zu finden. Damit wird überhaupt erst klar, dass wir so ein Problem mit Menschen haben, die anders sind! Statt sich mit so einem Schwachsinn auseinanderzusetzen, ob man aus 50~ Jahre alten Kinderbüchern Begriffe ersetzen sollte, sollte man sich mal lieber mit dem wirklichen Rassismusproblemen unserer heutigen Zeit auseinandersetzen...

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  16. PS: Neger ist kein(!) negativ besetzter Begriff gewesen, das "schlimme Wort" war Nigger. Dass Neger plötzlich nicht mehr gesagt werden durfte, kam auch nur durch übereifrige furchtbar politisch Korrekte.

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  17. kulturtussi, genau deiner Meinung bin ich doch auch, die Posterin über dir. :)

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  18. Diese Diskussion betrifft vermutlich nur 1-2% der Kinderbücher, warum kann man sich da über ein Wort wie Neger so aufregen? Wem es nicht gefällt, der muss es ja nicht konsumieren!!! Es gibt genug andere Bücher.
    Aber wahrscheinlich fühlen sich da die selben Leute auf den Schlips getreten wie bei Schüler, Student, Vegetarier, Veganer..., manche bestehen ja auf das schöne "in", da sonst diskriminierend, frauenfeindlich...
    Da gibt es bestimmt bessere Wege Kinder negativ zu beeinflussen - einfach vor die Glotze setzen und Bachelor, Dschungelcamp & Co anmachen, danach noch ein paar Ballerspiele am PC konsumieren - da braucht man keine Bücher mehr;-)
    Ich will keine Zensur und auch keine Schaumküsse essen!

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  19. ...gibt es einen Fortschritt im Denken, sollte dieser auch in der Sprache zum Ausdruck kommen...

    ...das böse N-Wort kann heute nicht mehr im historischen Kontext Astrid Lindgrens gesehen werden, also gehört es aus Kinderbüchern entfernt...

    ...der Brief ist toll...

    vegan l♥ve&peace, miss viwi

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  20. Ich finde nicht, dass das Wort gestrichen werden soll. Es steht in einem historischen Kontext und soll auch in diesem Kontext gelesen werden und den Kindern erklärt werden. Da gibt es weitaus schlimmere Dinge, die Kinder negativ beeinflussen können.
    Überhaupt sollte man sich vielmehr darum kümmern, wo Rassismus tatsächlich noch im Denken stattfindet, anstatt über ein Wort in einem historischen Buch zu debattieren.

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    1. Zum 100. Mal: wenn du ein schwarzes deutsches Kind bist und dieses wort in einem Kinderbuch liest, dann denkst du dir nicht "oh, historischer Kontext".

      Ich bin so müde von all diesen "ich bin doch kein Rassist!"-leuten die keinen bock haben über ihren eigenen Tellerrand zu sehen.

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  21. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    1. Einfach unverschämt, was sich einige im Schutz der Anonymität des Internets erlauben! Ziemlich traurig, dass es immer noch solche Spinner gibt :-(

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