Montag, 21. Januar 2013

Buchreview: Vegan kochen mit Ente

Kurz vor Weihnachten bekam ich das Kochbuch “Vegan koche mit Ente” von Compassion Media als Rezensionzexemplar zugeschickt – Danke dafür. Das Kochbuch ist gerade erst erschienen, enthält 60 vegane Rezepte und ist für 10€ u.a. hier zu erwerben. Das Kochbuch trägt den Zusatztitel “Ein Solikochbuch für die Tierbefreiungsbewegung” – der Gewinn, den der Autor mit diesem Buch macht, spendet er u.a. verschiedenen Lebenshöfen, auf denen befreite Tiere leben – das finde ich schon mal sehr positiv und unterstützenswert. Entes Nähe zur Tierbefreiungsbewegung und zur, wie ich einfach mal annehme, Antifa Szene ist im ganzen Buch wieder zu finden – das sieht man schon am Cover und an dem kleinen Logo, welches die Menge der Portionen angibt, für die ein Rezept ausgelegt ist. Außerdem kann man es an Rezeptenamen wie “Antinationale Bohnensuppe” erkennen. Ich finde diese kleinen Besonderheiten ganz witzig – zwar gehöre ich weder zur Antifa, noch zur Tierbefreiungsszene, doch ordne ich mich politisch natürlich trotzdem ganz deutlich links ein und finde die Arbeit, die Tierbefreier leisten wunderbar. Die Rezepte sind überwiegend eher einfach und mit günstigen, leicht erhältlichen Zutaten herstellbar – das finde ich wirklich klasse für Leute, die eher nicht zu viel Geld für Lebensmittel ausgeben können oder wollen und die auch keine Lust haben, extrem viel Zeit in die Beschaffung der Zutaten investieren zu müssen.
Das Buch gefällt mir optisch ganz gut, zwar bin ich eher ein Fan von weniger knalligen Farben, als denen auf dem Cover, aber innen finde ich es sehr cool gestaltet und auch die Fotos der Gerichte können sich dafür, dass Ente sie ganz alleine und ohne professionelle Hilfe gemacht hat, wirklich sehen lassen. Das Buch ist, wie bei Compassion Media öfters mal, als kleines Ringheftchen gebunden – das gefällt mir ja sowieso immer ganz gut, weil man das Buch dann super umklappen kann und es in der Küche wenig Platz verbraucht und dadurch auch weniger schnell eingesaut wird.IMG_7149Zu den Rezepten: Sie sind in Kategorien DIY, Grundrezepte, Schnell & Einfach, Hauptgerichte, Überbackenes, Suppen & Eintöpfe usw. eingeteilt. Die Zuteilung zu den Kategorien erscheint mir manchmal etwas verwirrend, sind ja die meisten Rezepte, die man bei “Überbackenes” oder “Schnell & Einfach” finden kann, meiner Meinung nach auch als Hauptgerichte anzusehen. Da das Büchlein aber insgesamt auch nicht besonders dick ist und man im Inhaltsverzeichnis alle Gerichte auf einer Seite aufgelistet findet, sollte man trotzdem nicht allzu lange nach dem suchen müssen, was man gerade kochen wollte.
Die Rezepte sind sehr vielfältig und bauen zum Teil aufeinander auf, so wird der Seitan, welchen man unter “Grundrezepte” findet, in vielen weiteren Gerichten verwendet – das finde ich ganz gut. Von Azukibohnensalat über Ravioli mit Champignon Rahmsoße und Paprika Kartoffel Hack Topf bis hin zu Erdbeermuffins und Nougat-Sahnetorte ist alles dabei.
IMG_7153Ausprobiert habe ich aus Entes Kochbuch bisher unter anderem die frischen Gnocchi. Ich hatte vorher noch nie frische gemacht, geschweige denn gegessen und es hat mir wirklich wunderbar geschmeckt. Allerdings fiel mir schon bei diesem Rezept eine Sache auf, die ich als kleinen Kritikpunkt am Kochbuch insgesamt bringen muss: Bei einigen Rezepten erscheinen mir manche Mengenangaben sehr unpassend. Die Gnocchi bestehen vor allem aus 1kg Kartoffeln und 500g Mehl – zum einen musste ich wesentlich mehr Mehl dazu geben, bis die Konsistenz stimmte. Zum anderen gehört zu diesem Rezept noch eine Tomatensoße, welche aus 3-4 Tomaten gemacht werden soll. Ich kann mir wirklich beim besten Willen nicht vorstellen, wie man aus 3-4 Tomaten (auch aus etwas größeren) eine ausreichende Menge Soße für deutlich über 1,5kg Gnocchi herstellen soll – das ist doch viel zu wenig. Ich habe die Soße dann direkt aus einer großen Flasche grob passierter Tomaten gemacht – das waren knapp 700g. Das hat so gerade, ganz knapp gereicht.
gnocciDa ich sehr viel und gerne koche und mittlerweile auch dementsprechende Erfahrung besitze, war es für mich in dem Fall nicht schwer zu erkennen, dass diese Mengenangaben für mich nicht funktionieren – daher wurde das Gericht durch kleine Modifikationen trotzdem verdammt lecker – als absoluter Kochnoob, der kaum Ahnung hat und sich daher genau an Rezepte hält, wäre ich selber vor einigen Jahren vermutlich noch an diesem Rezept gescheitert. Bei anderen Rezepten kamen mir die Mengenangaben ähnlich seltsam vor. Das Grundrezept für den Seitan liest sich für mich ebenfalls sehr komisch, da wirklich kaum Gewürze verwendet werden – meine allerersten Seitan Versuche schon waren deutlich stärker gewürzt und selbst die empfand ich noch immer als viel zu lasch. Für meinen Geschmack muss Seitan wirklich richtig, richtig doll gewürzt werden, damit er nach was schmeckt. Das mag man auch auf unterschiedliche Geschmäcker zurückführen – mir jedenfalls kommt ein Seitanrezept, bei dem so wenig gewürzt wird doch etwas seltsam vor – das wäre dann auch so ein Fall, den ich noch deutlich modifizieren würde.
IMG_7151Ebenfalls ausprobiert habe ich die Schoko-Nougat-Muffins. Die wurden sehr lecker, wobei sie für meinen Geschmack (und ich bin nicht mal so ein Zuckerjunkie wie viele andere) etwas süßer hätten sein können – aber das führe ich dann doch nur darauf zurück, dass Geschmäcker eben verschieden sind.
nougatmöffinsInsgesamt gefällt mir das kleine Kochbuch sehr gut. Es sind viele schöne und einfache Gerichte enthalten – besonders aufwändige und “exklusive” Rezepte findet man hier absichtlich nicht, dafür gibt es andere Kochbücher. Ich finde viele dieser Rezepte gerade für Sparfüchse oder für Leute, die große Mengen kochen (z.B. für Voküs o.ä.) sehr geeignet – mit diesen Rezepten wird es sicher nicht zu teuer oder zeitaufwändig. Mein kleiner Kritikpunkt ist eben nur, dass manche Mengenangaben meiner Meinung nach irgendwie nicht so ganz passen – wenn man schon etwas Kocherfahrung hat erkennt man das sicher, daher würde ich das Kochbuch eher für die nicht so ganz blutigen Anfänger empfehlen. Insgesamt aber, auch unter dem Aspekt, dass ihr mit dem Kauf gute Projekte unterstützt, ein sehr schönes Büchlein, welches ich nicht ganz perfekt, aber doch empfehlenswert finde!

Kommentare:

  1. Danke für die Buchvorstellung! :) Hatte eigentlich überlegt das Buch meinem (unveganen) Bruder zum Geburstag zu schenken, weil mich die Aufmachung angesprochen hat, er gerade in seine erste eigene Wohnung gezogen ist und Kochanfänger ist, aber das mit den fehlerhaften Mengenangaben schreckt mich jetzt leider zu sehr ab. Schade...

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    1. Du kannst ja mal reinschauen und das selber abschätzen. Die Mengen sind ja nicht generell bei allen Rezepten fehlerhaft, nur bei manchen Rezepten ist es mir eben aufgefallen, dass die Angaben für mich nicht so wirklich zusammen passen. Ich habe aber natürlich noch nicht alle 60 Rezepte ausprobiert, daher will ich das nicht generalisieren ;) Denn an sich ist das schon ein schönes Büchlein...

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  2. "Die Gnocchi bestehen vor allem aus 1kg Kartoffeln und 500g Mehl – zum einen musste ich wesentlich mehr Mehl dazu geben, bis die Konsistenz stimmte."

    Mein Standard-Gnocchi-Rezept hat genau dieses Verhältnis, 500 g Kartoffeln, 250 g Mehl, bisschen Salz, Pfeffer, Muskat und ein-zwei EL Margarine. Da lag es vermutlich an deinen Kartoffeln :-) Ich presse die durch die Spätzlespresse, dann sind sie schön fein. Wichtig ist noch, dass man den Gnocchi-Teig nicht zu lange knetet, sonst ist er nicht mehr schön fluffig, sondern wird hart.

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    1. Das kann natürlich sein. Ich habe mehligkochende Kartoffeln genommen. Allerdings hat mich an dem Rezept ja auch am meisten die Mengenangabe der Tomatensauce irritiert :D

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  3. Ich weiß nicht, welches Seitan Rezept in dem Heft drin ist, ich habe aber schon mehrmals das DIY-Seitan von Entes Website gemacht und das Rezept ist super! Ist zwar kaum würzig, aber kleingeschnitten und mariniert (z.B. für Gyros, Döner etc.) wird es super.
    Aber ja, allgemein scheinen seine Rezepte eher für Leute mit Kocherfahrung zu sein.

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    1. Ich denke sowas ist wirklich Geschmackssache. Mir schmeckt zu wenig gewürzter Seitan leider nicht, auch nicht weiterverarbeitet... ich habe wirklich etliche Rezepte durchprobiert, bis ich eines gefunden habe, was passt. Aber wie gesagt - da hat jeder andere Vorlieben ;)

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  4. Hey zombiekatze,
    sehr schön geschrieben Rezension.
    Eine Frage: Demnächst wollte ich mich auch mal an Seitan ranwagen, hast du zufällig ein (am besten online verfügbares, Buchform wäre aber auch in Ordnung) Seitanrezept, dass du empfehlen kannst?

    Habe neulich übrigens auch Gnocchi selbstgemacht, dafür aber vorwiegend festkochende Kartoffeln und zusätzlich zum Mehl noch Grieß verwendet (hier mal ein Link, den du entfernen kannst, falls er dich stört http://gemueseistmeingemuese.wordpress.com/2013/01/05/selbstgemachte-gnocchi-mit-champignon-sahne-sauce/ )
    Das mit der Sauce ist natürlich schon ominös. Bei uns ergibt die Gnocchimenge mindestens 5 Portionen und nichtmal eine Tomate pro Teller ist wirklich nicht sehr großzügig ;)

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    1. Ich benutze immer das Seitan Rezept vom Vegan Zombie (englisch) http://theveganzombie.com/?p=230 Ich kenne wirklich kein besseres, bisher waren immer alle von dem Seitan begeistert.

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    2. Danke für den Link, ich schaue es mir mal an :)

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    3. Danke ebenfalls für den Link. Dann starte ich demnächst mal einen Versuch :)

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  5. Wollte auch nur anmerken, dass bei vielen gnoccirezepten steht, dass man je nach Kartoffeln mehr Mehl dazugeben muss als im Rezept. Das ist einfach schwer von vornherein zu bemessen.

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  6. die Muffins sehen SO lecker aus <3
    und zum Glück hat man es ja selber in der Hand wie doll man sie süßt oder nicht. :)

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  7. Danke für die Rezension! :)

    Zu deinen Kritikpunkten: Ja, bei dem Gnocchi-Rezept hast du wohl recht da ist die Soße etwas knapp bemessen...wobei es da auch darauf ankommt wieviel Soße man so zu Gnocchi mag... ;)

    Bei dem Seitan-Grundrezept war es allerdings durchaus geplant den Seitan nicht zu würzen, damit er einfacher weiterverwendet werden kann. Der wird dann ja je nach Rezept unterschiedlich gewürzt und sollte deshalb zu Beginn keinen zu krassen Eigengeschmack haben....

    Und habt ihr vielleicht nen Hinweis für mich, warum man Kocherfahrung braucht bei meinen Rezepten? Ich hatte das eigentlich durchaus so konzipiert, dass auch Anfänger_innen damit zu recht kommen, weil mich eben die vielen komplizierten Kochbücher schon immer genervt haben...
    Also abgesehen von den Mengenangaben bei den Gnocchi...das hab ich nun eingesehen. ;)

    Liebe Grüße
    ente

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  8. Ich habe das mit der Kocherfahrung so gemeint, auf das Gnocchi Rezept als Beispiel, das ich vor Jahren als Kochanfängerin wohl gar nicht gemerkt hätte, dass die Tomatenmenge etwas gering ist und hätte das dann einfach so gekocht und wäre enttäuscht gewesen, weil die Sauce nicht reicht. Vielleicht tue ich Kochanfänger_innen da auch unrecht und sie sind viel kreativer und besser im improvisieren, als ich dachte. Nur ich persönlich war das früher leider nicht, habe mich akribisch ans Rezept gehalten, damit alles klappt und wenn dann mal kleine Ungereimtheitem im Rezept auftauchen, dann kann es natürlich schnell passieren, dass etwas misslingt - zumindest ging es mir früher so. Daher war ich eben bei dem Rezept froh, schon so viel Kocherfahrung zu haben, dass es mir direkt aufgefallen ist. Und wenn man in einem Kochbuch ein Rezept findet, bei dem die Mengenangaben einem unpassend erscheinen, dann ist man bei weiteren Rezepten aus dem Buch vielleicht etwas sensibilisiert und denkt sich "Hmm, hier muss ich jetzt aufpassen, ob das auch alles so stimmen kann"

    Bei dem Seitan sind die Geschmäcker wirklich verschieden, ich persönlich finde, dass man, wenn man die Gewürze nur beim Weiterverarbeiten verwendet, nicht mehr ausreichend Geschmack hinbekommt, für mich klappt das nur, wenn ich von Anfang an mit ordentlich Gewürzen arbeite - aber das ist für mich in dem Sinne kein Kritikpunkt sondern nur mein persönlicher Geschmack, falls das so rüber kam tuts mir leid, denn jeder empfindet das ja anders und es ist ja auch niemand gezwungen, sich an dein Rezept zu halten - wenn das Rezept dir so, wie du es geschrieben hast, am besten gefällt ist es natürlich total ok das auch so zu veröffentlichen :)

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