Sonntag, 11. März 2012

B.A.R.F Erfahrungsbericht #1 – aller Anfang ist schwer

Ich wurde von einigen um einen Erfahrungsbericht zum Thema Katzen barfen gebeten, hier ist er :)

Inzwischen ist etwas über einen Monat vergangen, seitdem wir begonnen haben, unsere Katzen dauerhaft zu barfen, sprich mit rohem Fleisch zu ernähren. Mittlerweile ist es eigentlich alltäglich geworden, ich denke bereits fast immer pünktlich daran, neues Fleisch aus dem Tiefkühler zu nehmen, damit es in Ruhe auftauen kann, die Katzen haben sich gut an das neue Futter gewöhnt und rasten nicht mehr sooo sehr aus, dadurch wird der Küchenfußboden mit jeder Fütterung etwas weniger eingesaut und insgesamt kommt es mir gar nicht mehr so schwierig vor wie noch vor einigen Wochen.

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Unsere Routine besteht nun darin, dass die Katzen täglich 2x etwas zu fressen bekommen. Jeweils ~55 g (ich wiege mit einer Küchenwaage ab) Fleisch pro Fütterung und pro Katze. Da das Fleisch, was wir bekommen zum Glück schon gewolft ist, muss ich es nicht mehr kleinschneiden, sondern nur noch mit einem Löffel aus der Packung nehmen und auf den Teller befördern. Dazu kommt dann ein wenig Wasser und eben das Supplement. Eine 500g Packung Fleisch reicht für gut 1 1/2 Tage, wenn ich eine neue Packung aufschneide fülle ich den Rest immer in eine Tupperdose um, die ich dann im Kühlschrank aufbewahre, das klappt prima. Im Moment nutzen wir Felini Complete als Supplement, da das ziemlich idiotensicher ist. Einfach einen kleinen Messlöffel voll auf jede Portion geben. Ich verrühre das Ganze dann noch etwas, damit sich Pulver, Fleisch und Wasser gut vermischen – dann lasse ich die Miezen in die Küche und sie futtern was das Zeug hält ;) Ich bin so fürs erste sehr zufrieden, da sich der direkte Kontakt mit dem Fleisch auf ein Minimum beschränkt und ich mit dem Supplement für den Anfang gut klarkomme – irgendwann möchte ich es gerne selbst zusammen mischen, aber erst wenn ich dafür auch genug Know-How habe.

Am Anfang habe ich mich schon etwas mehr geekelt als beim Füttern von Dosenfutter – inzwischen hat sich das aber total geändert. Das Fleisch sieht zwar nicht gerade appetitlich aus, ich glaube auch die meisten Fleischesser unter euch würden bei dem Anblick keinen Hunger bekommen, denn es ist ja schon ganz klein gewolft und liegt quasi etwas “im eigenen Saft" (Gott klingt das eklig) also in Blut. Aber wenn ich mir bewusst mache, was für ein Scheiß in den meisten(!) Dosenfuttersorten ist, dann finde ich das eigentlich viel ekliger – auch wenn man das nicht direkt sieht. Zudem stinkt Dosenfutter meiner Meinung nach mehr, wobei das auch auf die Fleischsorte ankommt. Rind und Geflügel finde ich relativ geruchslos, "Kuh-Komplett” enthielt aber auch Pansen und das hat wirklich gestunken wie die Pest, die Katzen standen aber drauf, die kleinen Perverslinge :D Viele Barf Fleischsorten riechen also meiner Meinung nach weniger eklig als Dosenfutter, bei manchen Fleischsorten ist es aber auch gegenteilig. Ich bin eh mit keinem besonders fähigen Geruchssinn ausgestattet, daher kann ich damit leben.

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“Wichtig ist, was hinten rauskommt” – sprechen wir also übers Katzenklo. Ich finde, dass es seitdem deutlich weniger schnell stinkt, außerdem ist die Kotmenge der Katzen auch weniger geworden – irgendwie logisch, ist im schieren Fleisch ja kaum etwas, was die Katzen nicht gut verdauen können und was einfach ungenutzt hinten wieder rauskommt, ganz anders als bei minderwertigem Dosenfutter – ich denke auf lange Sicht spart mal also finanziell sogar etwas am Katzenstreu, was den leicht höheren Preis für Barf Fleisch (im Vergleich zu einigermaßen hochwertigem Katzenfutter, welches ~1€ für eine Dose kostet) wieder etwas relativiert.

Klingt ja jetzt alles bisher sehr positiv, oder? Insgesamt bin ich auch wirklich total zufrieden, den Schritt zum barfen gegangen zu sein. Fleisch füttern ist für mich als Veganerin natürlich nie eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, aber wie ich ja bereits schrieb, bin ich der Meinung, dass vegane Katzenernährung absolut ungesund und nicht artgerecht ist. Da ich also Fleisch füttern muss und meine Katzen natürlich auch nicht abgeben will nur weil sie Carnivoren sind und ich vegan, stellt sich mir also natürlich die Frage, wenn schon Fleisch, warum dann nicht die beste Qualität für die Miezen, wenn es doch nur wenig mehr kostet und nur ein klein wenig mehr Aufwand bedeutet.

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Ein paar kleine Anfangsschwierigkeiten gab es allerdings schon – ich hatte für die Katzen auch Hühnerhälse bestellt, damit sie ein bisschen was zum kauen haben. Sie sind auch total drauf abgefahren, leider allerdings etwas zu sehr. Beim zweiten Hühnerhals seines Lebens hat Findus es etwas übertrieben und zu gierig und zu schnell gefressen – darauf hin lag ihm der Knochen ~2 Tage sehr schwer im Magen, er war in der Zeit sehr ruhig, hat mehr geschlafen und nur sehr wenig gefressen. Da habe ich mir natürlich totale Sorgen und Vorwürfe gemacht, aber im Barf Forum und von der lieben Mrs.Steph habe ich über Twitter so tolle Hilfe und Tipps bekommen – danke nochmal dafür <3 Nach knapp 2 Tagen war dann alles wieder gut und der Knochen scheinbar komplett verdaut. Knochen sind, wie ich gelernt habe, gerade anfangs, wenn der Katzenmagen das neue Futter noch nicht so gewöhnt ist, sehr schwer verdaulich. Die beiden anderen Katzen hatten allerdings die ganze Zeit keine Probleme, ich denke daher, dass es also wirklich zumindest teilweise an der unfassbar gierigen Fressweise von Findus lag :D Natürlich habe ich daraus gelernt, seitdem gab es keine Knochen mehr und die wird es auch nur noch sehr, sehr selten geben. Findus hat dann in den ersten Tagen nachdem er den Knochen endlich verdaut hat noch etwas vorsichtiger und langsamer gefressen, inzwischen ist er zu seinem alten Tempo zurückgekehrt.

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Einige Tage nach dem Knochen Debakel mit Findus, gab es dann noch ein bisschen Zicken Terror von meiner süßen Bastet. Die kleine Diva fand scheinbar 2 Fleischsorten plötzlich doch nicht mehr so toll und hat sich auf einmal geweigert, sie zu fressen. Aus Verzweiflung und weil ich nicht wollte, dass sie einen ganzen Tag lang gar nichts frisst, habe ich ihr dann wieder ein bisschen Dosenfutter gegeben, das hat sie natürlich sofort verspeist :D Als nächstes gab es aber dann Geflügelragout, das war ihr dann scheinbar wieder exquisit genug und seitdem hat sie alles, auch andere Fleischsorten wieder brav gefressen *auf Holz klopf*

Abgesehen von diesen Anfangsschwierigkeiten läuft nun alles ziemlich rund und ich bin zufrieden. Ich habe das Gefühl, dass den Katzen das Essen viel besser schmeckt, auch besser bekommt und da ich weiß, was drin ist bin ich überzeugt davon, dass ich den Katzen damit auch gesundheitlich etwas sehr gutes tue und sie so zumindest so artgerecht ernähre, wie es für Wohnungskatzen eben möglich ist. Ich kann es jedem Katzen- und auch Hunde"besitzer" nur empfehlen, sich einmal etwas in das Thema Barf einzulesen und es mal auszuprobieren, wenn man die Katzen erst mal dazu bekommen hat, das Fleisch auch zu fressen und ein wenig Routine hat, ist es wirklich kein besonders großer Aufwand mehr.

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Meine Katzen sind Raubtiere – das glaubt ihr nicht? Dann schaut euch mal den Kratzbaum und die Wand dahinter an :D

Kommentare:

  1. Danke für deinen Bericht. Ich habe ja auch 4 Katzen und überlege schon die ganze Zeit ob ich "richtig" barfen soll.
    Momentan teilbarfe ich, weil ich mir das Supplementieren nicht so ganz zutraue, wenn das aber so einfach ist, wie du beschrieben hast...

    Tjaja, Katzen sind halt Raubtiere. Unsere lassen zwar Kratzbaum und Wand heile, spielen dafür aber immer am Vorhang Tarzan und Jane und schwingen sich durch die Weltgeschichte. ;D

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    1. Also mit dem Felini Complete finde ich es sehr einfach, weil da ja wirklich alles drin ist, was sie brauchen. Dazu nur noch Fleisch, Wasser und falls sie es für die Verdauung brauchen ne kleine Menge Ballaststoffe wie Gemüse oder so. Ich weiß natürlich nicht, ob Felini echt das beste Supplement ist, aber für den Anfang wird es ok sein, später will ich es selber zusammen mixen.

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  2. ich finds klasse das du das durchziehst

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  3. Damit habe ich nur Erfahrung bei Hunden und da kann ich nur sagen, dass es den Tieren einfach besser bekommt als Dosenfutter etc.. Man merkt einfach, dass die Verdauung wieder rund läuft und wenn man sich anschaut, was in 95% der Tierfuttermittel enthalten ist, wundert mich das nicht. In der Regel wird nur das verkauft, was für die Besitzer ansprechend klingt - egal, ob es sich an der natürlichen Ernährung orientiert oder nicht.
    Seine Tiere vegan zu ernähren, weil man selbst Veganer ist, grenzt für mich persönlich an Tierquälerei. Ich persönlich kann solche Menschen nicht verstehen.

    Liebe Grüße
    Isabel

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  4. Danke für diesen tollen Beitrag. Vor einigen Tagen bin ich über dein Hühnerhals-Video auf youtube gestolpert und habe insgeheim auch auf einen Barf-Erfahrungsbericht gewartet :)

    Ich habe das Barfen auch 2 Wochen lang ausprobiert, aber momentan ist das auf die Dauer finanziell nicht möglich :( wir müssten das Fleisch im Supermarkt beziehen und neben den Kosten ist das ohne Fleischwolf auch eine wahnsinnige Arbeit.
    Da müssen bis auf weiteres Grau, Yarrah und Bozita herhalten.

    Übrigens sind meine Tiger total auf geraspelte Gurke im Fleisch abgefahrn ;))
    Ich habe hier noch einige Supplemente von lillys bar (easybarf, taurin, dorschlebertran,... lauter leckere dinge ^^) herumliegen, die ich nur für die 2 Probewochen verwendet habe. Wenn du willst, kann ich sie dir gern gegen Porto schicken. Es wäre schade, wenn sie bei mir schlecht werden :)

    liebe Grüße,
    Verena

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    1. Hallo Verena :)

      magst du mir eine Mail an zombiekatze@fantasymail.de schreiben und mir da sagen was du genau hast und wieviel du dafür insgesamt haben möchtest, inklusive Porto? Und falls du es weißt, wie lange sich diese Sachen denn noch in etwa halten...

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  5. Hallo Zombiekatze :) Wo genau bekommst du das Fleisch und die Suplimentation den her? Ich dachte irgendwo gelesen zu haben wo du es beziehst, find aber den Eintrag nimmer.
    Ich denke das Barfen auch unserer Mietze echt gut tun würde, weigere mich aber irgendwie in die Metzgerei zu gehen.
    Liebe Grüße,
    Jess

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    1. Ich hätte es auch in den Post schreiben sollen :D
      http://fressen-auf-raedern.info/ Ist aber ein regionaler Lieferservice

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  6. nabend zombiekatze!
    mich würde auch interessieren, woher du das fleisch beziehst. da ich auch aus köln komme, wäre das vielleicht auch was für mich. bzw. für meine 2 raubkatzen ;)
    lg - nic

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    1. Hallo Nic,

      schau mal bei http://fressen-auf-raedern.info/ Kann den Lieferservice nur empfehlen

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  7. Hey! =)
    Mal ´ne Frage zum Fleisch. Welches genau nimmst du? Meine Freundin arbeitet in einem Tierheim und sagte (was du auch schon zu Spurenelementen geschrieben hattest), dass man diese halt z.B. über´s Internet bekommen könnte und dass man eben drauf achten müsse, welches Fleisch man verfüttert. Sie sagte, dass Schweinefleisch komplett gemieden werden sollte, wegen der Pseudowut (kann sein, dass ich mich jetzt im Wort vertue, jedenfalls ein Virus, was auf Katzen übergehen kann) und rohes Fleisch auch schnell mal Krankheitserreger übertragen kann. Wäre es da sinnig, das Fleisch vorher (bei Hühnerhälsen noch am Knochen) zu kochen?
    Liebe Grüße,
    Kerstin

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    1. Hallo Kerstin,

      ich nehme nur Fleisch aus einem Barf Shop, bzw. welches, wo ich weiß, dass es ok ist. Schweinefleisch geht wegen diesem Virus absolut gar nicht, das wird in dem Shop natürlich auch nicht angeboten.

      Man darf Hühnerknochen NIEMALS vorher kochen, denn dann können sie beim kauen splittern und das wäre sehr gefährlich. Roh ist schon ok, Katzen haben eine sehr aggressive Magensäure, da haben Salmonellen und Co kaum eine Chance...

      Mein Fleisch bestelle ich bei http://fressen-auf-raedern.info/ Ist eigentlich für Hunde gedacht, aber die meisten Sorten gehen genauso gut für Katzen

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    2. Ah, alles klar. Danke für die schnelle Antwort und den Link - ich werd mich da mal umschauen! :)
      Liebe Grüße!

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  8. Toller Artikel.
    Ich kann mir die Anfangsschwierigkeiten gut vorstellen. Ich glaube, mir würd's da ähnlich gehen.
    Freut mich, dass du den Stubentigern was Gutes tust.

    Liebe Grüße
    Linda

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  9. Super, dass du deine Katzen barfst - genau die richtige Entscheidung, die ich für unseren Hund auch vor knapp 1,5 Jahren gefällt habe. Was soll ich sagen? Es geht ihr so super damit und wenn man sich erstmal etwas ins supplementieren eingelesen hat, dann geht es super einfach von der Hand. Es wird irgendwie... selbstverständlich?! Man weiß mit der Zeit, wie man was kombinieren kann und muss und vorallem hat die Mäkelei ein Ende... Wenn ich dran denke, was ich alles an Trofu ausprobiert habe... Ein paar Mal gefressen und dann den Napf stehen lassen, nee, das wollte ich nicht mehr. Gut, ich habe das, was sie nicht gefressen hat ins Tierheim gebracht aber das lässt der Geldbeutel auch nicht immer zu...

    Und im Netz gibts soviele Futterfleischanbieter, auch in Bioqualität.
    z.B.:
    https://www.das-tierhotel.de/act/start.htm
    oder viele andere, man muss einfach mal Google bemühen :)

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  10. das mit dem "barfen" habe ich davor noch nie gehört, aber klingt interessant, meine bekommt momentan noch Dosenfutter. Wie bist du darauf gekommen, sie zu "barfen"?

    Grüsse :)

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    1. Ich habe an mehreren Stellen darüber gelesen, dass das für Katzen die absolut gesündeste und artgerechteste Nahrung ist, die man ihnen bieten kann. Und da ich dann festgestellt habe, dass es gar nicht so schwer ist, hab ich gedacht, wieso denn nicht ;)

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