Ich wurde von einigen um einen Erfahrungsbericht zum Thema Katzen barfen gebeten, hier ist er :)
Inzwischen ist etwas über einen Monat vergangen, seitdem wir begonnen haben, unsere Katzen dauerhaft zu barfen, sprich mit rohem Fleisch zu ernähren. Mittlerweile ist es eigentlich alltäglich geworden, ich denke bereits fast immer pünktlich daran, neues Fleisch aus dem Tiefkühler zu nehmen, damit es in Ruhe auftauen kann, die Katzen haben sich gut an das neue Futter gewöhnt und rasten nicht mehr sooo sehr aus, dadurch wird der Küchenfußboden mit jeder Fütterung etwas weniger eingesaut und insgesamt kommt es mir gar nicht mehr so schwierig vor wie noch vor einigen Wochen.

Unsere Routine besteht nun darin, dass die Katzen täglich 2x etwas zu fressen bekommen. Jeweils ~55 g (ich wiege mit einer Küchenwaage ab) Fleisch pro Fütterung und pro Katze. Da das Fleisch, was wir bekommen zum Glück schon gewolft ist, muss ich es nicht mehr kleinschneiden, sondern nur noch mit einem Löffel aus der Packung nehmen und auf den Teller befördern. Dazu kommt dann ein wenig Wasser und eben das Supplement. Eine 500g Packung Fleisch reicht für gut 1 1/2 Tage, wenn ich eine neue Packung aufschneide fülle ich den Rest immer in eine Tupperdose um, die ich dann im Kühlschrank aufbewahre, das klappt prima. Im Moment nutzen wir Felini Complete als Supplement, da das ziemlich idiotensicher ist. Einfach einen kleinen Messlöffel voll auf jede Portion geben. Ich verrühre das Ganze dann noch etwas, damit sich Pulver, Fleisch und Wasser gut vermischen – dann lasse ich die Miezen in die Küche und sie futtern was das Zeug hält ;) Ich bin so fürs erste sehr zufrieden, da sich der direkte Kontakt mit dem Fleisch auf ein Minimum beschränkt und ich mit dem Supplement für den Anfang gut klarkomme – irgendwann möchte ich es gerne selbst zusammen mischen, aber erst wenn ich dafür auch genug Know-How habe.
Am Anfang habe ich mich schon etwas mehr geekelt als beim Füttern von Dosenfutter – inzwischen hat sich das aber total geändert. Das Fleisch sieht zwar nicht gerade appetitlich aus, ich glaube auch die meisten Fleischesser unter euch würden bei dem Anblick keinen Hunger bekommen, denn es ist ja schon ganz klein gewolft und liegt quasi etwas “im eigenen Saft" (Gott klingt das eklig) also in Blut. Aber wenn ich mir bewusst mache, was für ein Scheiß in den meisten(!) Dosenfuttersorten ist, dann finde ich das eigentlich viel ekliger – auch wenn man das nicht direkt sieht. Zudem stinkt Dosenfutter meiner Meinung nach mehr, wobei das auch auf die Fleischsorte ankommt. Rind und Geflügel finde ich relativ geruchslos, "Kuh-Komplett” enthielt aber auch Pansen und das hat wirklich gestunken wie die Pest, die Katzen standen aber drauf, die kleinen Perverslinge :D Viele Barf Fleischsorten riechen also meiner Meinung nach weniger eklig als Dosenfutter, bei manchen Fleischsorten ist es aber auch gegenteilig. Ich bin eh mit keinem besonders fähigen Geruchssinn ausgestattet, daher kann ich damit leben.

“Wichtig ist, was hinten rauskommt” – sprechen wir also übers Katzenklo. Ich finde, dass es seitdem deutlich weniger schnell stinkt, außerdem ist die Kotmenge der Katzen auch weniger geworden – irgendwie logisch, ist im schieren Fleisch ja kaum etwas, was die Katzen nicht gut verdauen können und was einfach ungenutzt hinten wieder rauskommt, ganz anders als bei minderwertigem Dosenfutter – ich denke auf lange Sicht spart mal also finanziell sogar etwas am Katzenstreu, was den leicht höheren Preis für Barf Fleisch (im Vergleich zu einigermaßen hochwertigem Katzenfutter, welches ~1€ für eine Dose kostet) wieder etwas relativiert.
Klingt ja jetzt alles bisher sehr positiv, oder? Insgesamt bin ich auch wirklich total zufrieden, den Schritt zum barfen gegangen zu sein. Fleisch füttern ist für mich als Veganerin natürlich nie eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, aber wie ich ja bereits schrieb, bin ich der Meinung, dass vegane Katzenernährung absolut ungesund und nicht artgerecht ist. Da ich also Fleisch füttern muss und meine Katzen natürlich auch nicht abgeben will nur weil sie Carnivoren sind und ich vegan, stellt sich mir also natürlich die Frage, wenn schon Fleisch, warum dann nicht die beste Qualität für die Miezen, wenn es doch nur wenig mehr kostet und nur ein klein wenig mehr Aufwand bedeutet.

Ein paar kleine Anfangsschwierigkeiten gab es allerdings schon – ich hatte für die Katzen auch Hühnerhälse bestellt, damit sie ein bisschen was zum kauen haben. Sie sind auch total drauf abgefahren, leider allerdings etwas zu sehr. Beim zweiten Hühnerhals seines Lebens hat Findus es etwas übertrieben und zu gierig und zu schnell gefressen – darauf hin lag ihm der Knochen ~2 Tage sehr schwer im Magen, er war in der Zeit sehr ruhig, hat mehr geschlafen und nur sehr wenig gefressen. Da habe ich mir natürlich totale Sorgen und Vorwürfe gemacht, aber im Barf Forum und von der lieben Mrs.Steph habe ich über Twitter so tolle Hilfe und Tipps bekommen – danke nochmal dafür <3 Nach knapp 2 Tagen war dann alles wieder gut und der Knochen scheinbar komplett verdaut. Knochen sind, wie ich gelernt habe, gerade anfangs, wenn der Katzenmagen das neue Futter noch nicht so gewöhnt ist, sehr schwer verdaulich. Die beiden anderen Katzen hatten allerdings die ganze Zeit keine Probleme, ich denke daher, dass es also wirklich zumindest teilweise an der unfassbar gierigen Fressweise von Findus lag :D Natürlich habe ich daraus gelernt, seitdem gab es keine Knochen mehr und die wird es auch nur noch sehr, sehr selten geben. Findus hat dann in den ersten Tagen nachdem er den Knochen endlich verdaut hat noch etwas vorsichtiger und langsamer gefressen, inzwischen ist er zu seinem alten Tempo zurückgekehrt.

Einige Tage nach dem Knochen Debakel mit Findus, gab es dann noch ein bisschen Zicken Terror von meiner süßen Bastet. Die kleine Diva fand scheinbar 2 Fleischsorten plötzlich doch nicht mehr so toll und hat sich auf einmal geweigert, sie zu fressen. Aus Verzweiflung und weil ich nicht wollte, dass sie einen ganzen Tag lang gar nichts frisst, habe ich ihr dann wieder ein bisschen Dosenfutter gegeben, das hat sie natürlich sofort verspeist :D Als nächstes gab es aber dann Geflügelragout, das war ihr dann scheinbar wieder exquisit genug und seitdem hat sie alles, auch andere Fleischsorten wieder brav gefressen *auf Holz klopf*
Abgesehen von diesen Anfangsschwierigkeiten läuft nun alles ziemlich rund und ich bin zufrieden. Ich habe das Gefühl, dass den Katzen das Essen viel besser schmeckt, auch besser bekommt und da ich weiß, was drin ist bin ich überzeugt davon, dass ich den Katzen damit auch gesundheitlich etwas sehr gutes tue und sie so zumindest so artgerecht ernähre, wie es für Wohnungskatzen eben möglich ist. Ich kann es jedem Katzen- und auch Hunde"besitzer" nur empfehlen, sich einmal etwas in das Thema Barf einzulesen und es mal auszuprobieren, wenn man die Katzen erst mal dazu bekommen hat, das Fleisch auch zu fressen und ein wenig Routine hat, ist es wirklich kein besonders großer Aufwand mehr.

Meine Katzen sind Raubtiere – das glaubt ihr nicht? Dann schaut euch mal den Kratzbaum und die Wand dahinter an :D